Nachruf auf Prof. Dr. med. Dietrich E. Birnbaum

Am 2. Januar 2017  verstarb Prof. Dr. Dietrich E. Birnbaum, kurz vor der Vollendung des 75. Lebensjahres.

Er wurde am 16. Februar 1942 in Chemnitz geboren. Von 1962 bis 1968 studierte er Medizin an der Freien Universität Berlin, wo er 1969 zum Dr. med. promovierte.

Von 1970 -1971 vertiefte er seine wissenschaftlichen Erfahrungen als Research Fellow am Medical Center der University Colorado.

Zurück in Deutschland, begann er die Weiterbildung zum Chirurgen bei Prof. Dr. Emil Bücherl am Klinikum Charlottenburg der Freien Universität Berlin. Nachdem er diese mit der Facharztprüfung für Chirurgie bei der Ärztekammer Berlin 1977 abgeschlossen hatte, ergänzte er seine Weiterbildung bei Prof. Dr. Bücherl im Bereich der Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie. 1984 erhielt er auch für dieses Teilgebiet die Anerkennung der Ärztekammer Berlin.

1980 habilitierte er sich an der Freien Universität Berlin, die ihm die Lehrbefugnis für das Fach Chirurgie erteilte.1984 erhielt er die Ernennung zum Professor an der Chirurgischen Universitätsklinik und Poliklinik am Klinikum Charlottenburg der Freien Universität Berlin.

1984 wurde er zum Leitenden Arzt der Abteilung für Herz- und Gefäßchirurgie am Benedikt-Kreuz-REHA- Zentrum in Bad Krozingen gewählt. Hier war er sehr erfolgreich bis 1990 tätig. Zwischenzeitlich war ihm 1985 auch die Lehrbefugnis für Chirurgie der Albert-Ludwigs- Universität Freiburg erteilt worden.

Nachdem er 1991 den Ruf auf den Lehrstuhl für Herz-, Thorax- und herznahe Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Regensburg erhalten hatte, war er dort von 1992 bis zu seiner Emeritierung im März 2007 tätig.

Als erster Direktor der Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und herznahe Gefäße baute er diesen Fachbereich am Universitätsklinikum Regensburg auf. Dabei waren seine umfangreichen wissenschaftlichen, klinischen und organisatorischen Expertisen wesentlich für den außerordentlichen Erfolg. Ganz besonders  erwies sich dies bei der Etablierung der Transplantationsmedizin in Regensburg: 1994 wurde unter seiner Leitung die erste Herztransplantation am UKR durchgeführt.

Von 1996 bis 1997 war er Prodekan der Fakultät für Medizin der Universität Regensburg.

In herausragender Weise widmete er sich der Behandlung seiner Patienten, der Betreuung der Studierenden der Humanmedizin sowie der Weiterbildung der ärztlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Facharztweiterbildung für die Herz- und Thoraxchirurgie. Aufgrund seiner Leistungen, seiner Erfahrungen, seiner sehr persönlichen Hinwendung sowie seiner Menschlichkeit  war er ein hochgeschätztes Vorbild.

Professor Birnbaum war vielseitig  und hochmotiviert wissenschaftlich engagiert. Sein Interesse galt Innovationen im Bereich der Herz-Lungen-Maschinen, der Herzklappen- und Gefäßprothesen, wie auch der rekonstruktiven Chirurgie von Herzklappen und Koronararterien und der arteriellen Revaskularisation.

Explizit hervorzuheben sind seine umfangreichen Aktivitäten im Zusammenhang mit der extrakorporalen Zirkulation. In der Tradition seines chirurgischen Lehrers und Mentors Prof. Dr. Emil Bücherl widmete er sich intensiv sowohl der Weiterentwicklung  der Herz-Lungen-Maschinen zu schonenden und portablen Geräten, wie auch der Aus- und Weiterbildung der Kardiotechniker. Dies auf nationaler wie europäischer Ebene.

Seine wissenschaftliche Kompetenz und sein Engagement brachten ihm breite Anerkennung nationaler und internationaler  wissenschaftlicher Fachgesellschaften .

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie leitete er  als Präsident in den Jahren 2001 – 2003.

Nach seiner Emeritierung war er von 2007 – 2008 als Ärztlicher Direktor an der Kerckhoff–Klinik in Bad Nauheim für die Programme der Herztransplantation und der Implantation von Kunstherzen verantwortlich.

Seine sehr persönliche Motivation, Kollegen des Fachgebietes  in Drittländern zu unterstützen und zu fördern, führte 2009 zur Übernahme einer neuen Aufgabe auf dem Feld der Entwicklungshilfe:

In Äthiopien baute er im Rahmen des Emeriti-Programms des DAAD ehrenamtlich eine medizinische Fakultät an der Universität Asella auf. Sein Anliegen als Gründungsdekan war die Hilfe zur Selbsthilfe bei der Zusammenarbeit mit den äthiopischen Ärzten. Auch während dieser mehr als 6-jährigen Tätigkeit erwarb er sich hohes Ansehen und Anerkennung.

Im Jahre 2016 wurde er gebeten, eine ähnliche Aufbauarbeit am Klinikum der Stadt Shenzen in der Volksrepublik China zu leisten.

Bei den vorbereitenden Arbeiten dort und kurz vor der Unterzeichnung eines Vertrages über eine 5-jährige Kooperation erlag er einer akuten Herzerkrankung.

Sein plötzlicher Tod hat zahlreiche Menschen tief betroffen.

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie dankt Prof. Dietrich Birnbaum für sein vorbildliches und überaus erfolgreiches Engagement für das Fachgebiet und die Fachgesellschaft.

Sie wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Seiner Familie gilt ihre Anteilnahme.

Prof. Dr. med. Arno Krian
Chronist der DGTHG