Grundlagen-Seminar Herzchirurgie: Interview mit Prof. Dr. Bernd Niemann
„Solides Fundament für den Weg in die Herzchirurgie“
Der Einstieg in die Herzchirurgie ist anspruchsvoll: Ärztinnen und Ärzte in der Facharztweiterbildung übernehmen früh Verantwortung und stehen häufig vor schwerwiegenden Krankheitsverläufen, die sie sowohl technisch als auch menschlich bewältigen müssen. Unterstützung bietet das DGTHG-Seminar „Grundlagen Herzchirurgie“, das am 24. und 25. November in Berlin stattfindet. Im Interview erklärt Seminarleiter Prof. Dr. Bernd Niemann, wie der herzchirurgische Nachwuchs davon profitiert.

Herr Professor Niemann, Ihr Seminar richtet sich vorrangig an Ärztinnen und Ärzte in den ersten zwei Jahren ihrer Facharztausbildung. Warum ist gerade in dieser frühen Phase gezielte Unterstützung so wichtig?
„Im Seminar vermitteln wir essentielle Grundlagen – etwa zur ärztlichen Gesprächsführung, zum Umgang mit kritischen Situationen und zu den ersten Schritten in der Intensivmedizin und bei kleineren operativen Eingriffen. Viele junge Kolleginnen und Kollegen starten mit großer Begeisterung für die technischen Aspekte in der Herzchirurgie – sie wollen Klappen rekonstruieren, Bypässe legen oder TAVI-Implantationen durchführen. Diese Begeisterung ist richtig und wichtig! Aber, um in der Herzchirurgie gut und sicher starten zu können, braucht es ein solides Fundament aus weiteren Bausteinen. Genau da setzt das Seminar an: Es hilft, die Basis zu stärken – sowohl fachlich als auch im Umgang mit Patientinnen und Patienten – und das ganz ohne Druck und Stress des klinischen Alltags; dafür aber mit hochkarätigen Dozentinnen und Dozenten an ihrer Seite.
Können Sie das noch konkreter machen? Was erwartet die Teilnehmenden in den zwei Tagen Weiterbildung in Berlin?
„Vor allem: jede Menge Praxis! Wir konzentrieren uns stark auf Hands-on-Trainings. Neben vielen Möglichkeiten des selbstständigen Operierens an Modellen erhalten unsere Teilnehmenden beispielsweise die einmalige Gelegenheit, selbst eine Herz-Lungen-Maschine zu steuern und mechanische Herzunterstützungssysteme mit Expertinnen und Experten auszuprobieren und auch eine entsprechende Qualifikation dafür zu erwerben. Zusätzlich vermitteln wir grundlegende Fertigkeiten wie Nahttechniken und das Anlegen thorakaler Drainagen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der empathischen Arzt-Patienten-Kommunikation – praxisnah geübt in Rollenspielen mit professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern.“
Das vollständige Programm des Grundlagen-Kurses finden Sie hier.
Ein vielfältiges Programm! Mit welchem Mehrwert gehen die Teilnehmenden zurück in ihren klinischen Alltag?
Unser Ziel ist es, dass wir die Teilnehmenden in den zwei Tagen sowohl fachlich als auch psychisch gestärkt haben. Viele haben gerade am Anfang ihrer Facharztausbildung unglaublichen Respekt vor ihren neuen Aufgaben. Das ist natürlich auch wichtig. Aber dieser Respekt soll sie nicht lähmen. Wir möchten ihnen im geschützten Rahmen zeigen, dass wir als erfahrene Kolleginnen und Kollegen für sie da sind, dass wir nahbar sind und uns Zeit für sie nehmen. Deshalb gibt es innerhalb des Seminars auch immer wieder die Möglichkeit, individuelle Fragen und Themen einzubringen und sich von uns fachlichen und auch menschlichen Rat zu holen. Wenn wir am Ende erreichen, dass unsere jungen Kolleginnen und Kollegen selbstbewusst in ihre Kliniken zurückkehren – mit der Einstellung: Das kann ich packen! – dann haben wir es richtig gemacht.“
Zur Person
Prof. Dr. med. Bernd Niemann ist leitender Oberarzt
der Klinik für Herz-, Kinderherz- und Gefäßchirurgie,
Zusatzbezeichnung Intensivmedizin,
am Universitätsklinikum Gießen und Marburg.
Seit 2017 leitet er die DGTHG-Grundlagenseminar
„Facharzt Herzchirurgie“.
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