92. DGK-Jahrestagung: Interdisziplinärer Austausch im Fokus
Tagungspräsident Prof. Dr. Stephan Willems im Interview
Mannheim wird vom 8. bis 11. April 2026 zum Zentrum herzmedizinischer Expertise. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK) lädt im Congress Center Rosengarten zu ihrer 92. Jahrestagung ein. Warum der Kongress auch für Herzchirurginnen und Herzchirurgen von großem Wert ist und welche Höhepunkte zu erwarten sind, verrät Tagungspräsident Prof. Dr. Stephan Willems im Interview.
DGTHG: Das Kongressmotto der 92. DGK-Jahrestagung lautet „Herzmedizin 2026 – Gemeinsam Grenzen überwinden, Standards setzen“. Was bedeutet das konkret?
Prof. Dr. Stephan Willems: Wir möchten dieses Motto vor Ort mit Leben füllen und das „Gemeinsam“ besonders betonen – das gelingt vor allem durch interdisziplinäre Vernetzung. Unsere Jahrestagung ist nicht nur für die ambulant und stationär tätigen Kolleg´ innen der Kardiologie relevant, sondern auch für die „benachbarten“ Fächer wie z.B. Angiologie und Gefäßmedizin, Anästhesie und Intensivmedizin und selbstverständlich der Herzchirurgie als „natürlichen Partner“. Allen Gruppen wird ein breites Themenspektrum geboten; von Grundlagenforschung über Prävention bis zur Intervention. Besucherinnen und Besucher dürfen mit neuen Studien, aktualisierten Leitlinien und viel Raum für Diskussionen rechnen. Besonders betonen möchte ich natürlich die gemeinsame DGK-DGTHG-Sitzung zum Thema „Vorhofflimmern – interdisziplinäre Therapieansätze“ am Mittwoch, 8. April, 15:30 bis 17:00 Uhr.
DGTHG: Welche Programmpunkte sind vor allem für Herzchirurginnen und -chirurgen relevant?
Stephan Willems: Sehr spannend wird die „Great Debate“ am Freitag, den 10. April. Dort halten Ärztinnen und Ärzte kurze, pointierte Vorträge die im Anschluss kontrovers diskutiert werden. Inhaltlich dreht es sich vor allem um die klassischen Herz-Team-Themen: Interdisziplinäres Management von Mitralklappeninsuffizienz und Vorhofflimmern, komplexer Dreigefäß-Erkrankung und innovativer Schrittmacher-Therapie. Zudem gibt es viele Sitzungen zu aktualisierten Leitlinien wie Myokarditis und Perikarditis, Herzklappenerkrankungen, Dyslipidämie, sowie Herz-Kreislauferkrankungen während der Schwangerschaft. Außerdem wird die neue DGK-S3-Leitlinie zum kardiogenen Schock vorgestellt. Wir arbeiten außerdem eng mit der Young DGK zusammen, die sich ebenfalls auf interdisziplinären Austausch freut.
DGTHG: Sowohl die DGK als auch die DGTHG bemühen sich seit jeher um genau diesen Austausch und um interdisziplinäre Zusammenarbeit; natürlich vor allem auch im Herz-Team. Wie gut sind diese Teams Ihrer Einschätzung nach derzeit in den Kliniken etabliert?
Stephan Willems: Aus meiner Perspektive ist das Gesamtbild noch heterogen, obwohl die Idee der Herz-Teams schon seit vielen Jahren existiert. Deshalb bleibt es unser Ziel, die Etablierung der Herz-Teams schrittweise weiter voranzutreiben. Es gibt für mich keinen Zweifel daran, dass die Grenzen zwischen Kardiologie und Herzchirurgie weiter verschwimmen müssen, damit wir gemeinsam den besten Therapieweg für Patientinnen und Patienten finden. Eine erfreuliche Entwicklung, die ich besonders wahrnehme: Jüngere Kolleginnen und Kollegen in der Herzmedizin sind sehr offen für den interdisziplinären Austausch, fordern ihn aktiv ein und wachsen mit diesem Selbstverständnis in ihre berufliche Position hinein. Diese positive Entwicklung wollen wir unter anderem mit unserer Jahrestagung weiter stärken.
DGTHG: Unter anderem? Mit welchen Mitteln lässt sich diese Entwicklung noch unterstützen?
Stephan Willems: Vor allem durch ein gutes gemeinsames Weiterbildungskonzept, das Kardiologie und Herzchirurgie enger zusammenführt und so die Basis für eine noch intensivere künftige Zusammenarbeit im Sinne der Patientinnen und Patienten schafft. Sowohl DGTHG als auch DGK arbeiten daran; in vielen Bereichen gibt es bereits solche gemeinsamen Konzepte, zum Beispiel bei Schulungen und Zertifizierungen. So können sich Herzchirurginnen und -chirurgen – ebenso wie Kardiologinnen und Kardiologen –für spezielle Herzschrittmacher-Therapie zertifizieren lassen.
Ebenso wichtig wie entsprechende Weiterbildungsformate sind gemeinsame Forschungsprojekte. In solchen Projekten betrachten Kardiologie und Herzchirurgie eine herzmedizinische Fragestellung gemeinsam, aber aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Dadurch verbinden wir konservative und chirurgische Ansätze, was zu umfassenderen, ganzheitlichen Lösungswegen führt. Eine Win-win-Situation für Patientinnen und Patienten sowie für uns Medizinerinnen und Mediziner. Der Austausch mit „live Charakter“, die direkte Kommunikation bilden dafür die beste Grundlage – und genau dazu laden wir alle Herzmedizinerinnen und -mediziner auf unserer Jahrestagung herzlich ein.
ZUR PERSON
Prof. Dr. med. Stephan Willems ist Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunktbezeichnung Kardiologie und seit 2019 Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin an der Asklepios Klinik St. Georg. Neben Erkrankungen der Herzkranzgefäße und Herzklappen sind Herzschwäche und komplexe Formen der Herzrhythmusstörungen ein Schwerpunkt der Klinik.